Die neue Form der Unterdrückung

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The speakers at the "Digital colonialism" talk

Das Internet als Werkzeug des Kolonialismus? Die vier TeilnehmerInnen des Panels “Digital Colonialism: a global overview” sehen die digitale Entwicklung auch als Herrschaftsinstrument.

Auf den ersten Blick macht uns das Netz gleich. Es macht Kommunikation günstiger und Informationen für alle verfügbar – egal, ob arm oder reich, ob wir in Nigeria leben oder in Frankreich. Doch diese Vorstellung ist zu romantisch, das finden die SpeakerInnen Nanjira Sambuli, Alan Mills, Joana Varon und Renata Avila. Das Internet begünstige auch politische Abhängigkeiten oder kurz: den "digitalen Kolonialismus".

"Für mich ist das eine neue Form der Unterdrückung", sagt Nanjira Sambuli, leitende Wissenschaftlerin der Organisation iHub. In ihren Augen missbrauchen Konzerne wie Google, Facebook und Twitter die Internetfreiheit. Ihnen ginge es nicht um Freiheit, sondern darum, ihre wirtschaftliche Macht auszuweiten und ihre User zu kontrollieren. Westliche Firmen würden digitale Infrastruktur in Entwicklungsländern aufbauen – oft mit gönnerhaftem Gestus und gegen den Willen der Bevölkerung. Länder wie Indien wehren sich gegen das umstrittene Facebook-Projekt Internet.org. "Viele Konzerne entwickeln Technologien für uns, nicht mit uns", kritisiert Nanjira Sambuli.

Die Herrschaft des digitalen Kolonialismus fängt schon bei der Sprache an: Die meisten Inhalte im Netz sind auf Englisch – und das, obwohl nur ein geringer Prozentsatz der Weltbevölkerung Englisch spricht. Außerdem treten Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern fast ausschließlich als Konsumierende auf und nur selten als Produzierende. In Afrika und Südamerika sind Handys aus Kostengründen weiter verbreitet als Laptops. Und auf kleinen Bildschirmen könne man schwerer Content entwickeln und produzieren, sagt Nanjira Sambuli. Das Smartphone sieht sie nicht nur als Gradmesser für die Entwicklung eines Landes, sondern auch für seine Abhängigkeit, so das Fazit.

Foto: re:publica/Jan Zappner (CC BY 2.0)

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