"Ich weiss bis heute nicht, was Podcasts sind" – Ein Nachbericht zur #rp15-Bühne @ MEDIA CONVENTION

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Crowded stages at MEDIA CONVENTION Berlin; credit: Max Threlfall @ MEDIA CONVENTION

Von Hoax-Kampagnen und immersivem Journalismus, über IS und Slow-Media-Types, bis zu Jugendlichen, die einem das Internet erklären – auf der von der #rp15 kuratierten Bühne 6 @ MEDIA CONVENTION am 5. und 6. Mai wurde zum Schwerpunkt Medien viel diskutiert, ausgetauscht und auch gelacht. Die beiden Tage zum Schwerpunkt Medien waren ein voller Publikumserfolg und sehr gut besucht. Mit einem Überblick wollen wir euch einen Einblick gewähren, der dem tollen Programm längst nicht gerecht wird. Die Videos von allen Sessions findet ihr auf unserer Playliste auf YouTube.

Nach der Eröffnungsrede der #rp15 von Ethan Zuckerman auf Stage 1 sollte eigentlich Nonny de la Peña sprechen, die bedauerlicherweise aus persönlichen Gründen verhindert war. Statt dessen sprang Jamie Pallot, Kollege der Amerikanerin und Co-Founder des gemeinsamen Firma Emblematic Group ein. Er hielt einen interessanten Talk über die Möglichkeiten von Virtual Reality im Bereich der non-fiktionalen Geschichtenerzählung und wie dies den Nachrichtenjournalismus nachhaltig verändern wird. Die VR-User könnten sich direkt in einer Szene, wie beispielsweise in "Project Syria", das einem den Alltag syrischer Flüchtlinge näher bringen soll, bewegen und hätten so das Gefühl, physisch anwesend zu sein. Im Gegenzug führe dies zu einem stärkeren Engagement und emotionaler Rührung, so der Journalist.

Den Auftakt des Medienprogramms nach der Keynote machte dann Friedemann Karig mit seinem Vortrag "Die Abschaffung der Wahrheit". Er diskutierte, wie das Internet als Lügenmaschine instrumentalisiert wird. Grundfrage des Vortrags war, ob das Internet ein Medium der Lüge ist. Zunächst gab Karig eine Einführung in die Definition von Lüge und Verschwörungstheorien. Anhand verschiedener Beispiele erklärte Karig, dass es im Internet immer auch andere Alternativen zu Wahrheiten gibt und. Seien es nun neue oder alte, Verschwörungstheorien würden das Weltbild immer in gut oder böse ordnen, so der Journalist. Einen Nullpunkt der Wahrheit gäbe es nicht, wichtig sei es, eine Wissenschaftskompetenz zu erlangen.

Aufschlussreiche Einblicke in ähnliche thematische Felder lieferten auch die Talks "Die fünfte Gewalt. Die Macht der vernetzten Vielen" von Bernhard Pörksen, "Hoax-Kampagnen: Opium fürs Empörungsvolk" von Deef Pirmasens und Christian Schiffer und das Panel "Geteiltes Leid ist halbes Leid? (Medien-)Ethik in der Digitalen Sphäre" unter anderem auch mit Bernhard Pörksen und Petra Grimm. Pörksen veranschaulichte wie Internetnutzer zu einer "fünften" Mediengewalt werden können, ob nun als Aktivisten, die zu sozialen Protesten aufrufen, oder aber als "Wahrheitsverschleiernde", wie Karig sie beschreibt. Deef Pirmasens und Christian Schiffer demonstrierten auf unterhaltsame Weise, wie Hoax-Kampagnen, darunter versteht man Kampagnen mit Falschmeldungen, entstehen. Auf dem Medienethik-Panel wurde weiterführend diskutiert, ob Internetnutzer automatisch zu Handlangern werden können und was die Ethik des Teilens denn nun ist.

Bernhard Pörksen spricht über die 5. Macht; Credit: re:publica/Jan Zappner (CC BY-SA 2.0)

Viel gelacht wurde bei "Komm' ich erklär Dir mal das Internet". Moderatorin Geraldine de Bastion sprach mit den drei Jugendlichen Joshua Arntzen, Pauline Rénviere und Valeria Eisenbart über ihre Netzgewohnheiten. Joshua appellierte an die Eltern: "Ich habe selber schnell gemerkt, was das Gute und was das Schlechte am Internet ist. Macht Euch nicht so viele Sorgen!" Pauline und Valeria warfen noch ein, dass man schon aufpassen solle, auf welche Foren Kinder gehen. Aber sie zu kontrollieren, das sei ein "bisschen übertrieben". Wie bereits erwartet, ist Facebook bei Jugendlichen schon längst nicht mehr beliebt. Sie beziehen ihre Informationen hauptsächlich über YouTube und tauschen sich mit ihren Freunden über die mobile App Snapchat aus (Tenor: "Ihr könnt Facebook haben, bitte lasst Snapchat in Ruhe!"). Podcasts dagegen sind bei Jugendlichen auch nur semi-populär und Valeria gesteht: "Ich weiss bis heute nicht, was Podcasts sind."

In dem von re:publica-Mitgründer und Geschäftsführer Andreas Gebhard moderierten  Gespräch zwischen Dieter Gorny und Tim Renner ging es unter anderem um deren politische Visionen. Beide möchten sich demzufolge für mehr Netzneutralität und ein offenes und freies Netz einsetzen. Außerdem möchten jeder von ihnen in ihren neuen politischen Funktionen, Tim Renner ist Staatssekretär für Kulturelle Angelegenheiten in Berlin und Dieter Gorny ist Beauftragter für digitale und kreative Ökonomie, Dialogforen schaffen, in denen Bürger ihre Meinung kundtun können, um gemeinsam an einer digitalen Zukunft arbeiten zu können.

Wie sieht der Journalismus von morgen aus? Juliane Leopold und Max Hoppenstedt sprachen über neue Journalismusformate für neue Zielgruppen. Die deutsche BuzzFeed-Chefin und der Chefredakteur von Motherboard Deutschland erklärten, dass sich Formate aus den Geschichten entwickeln würden und nicht umgekehrt. Der "neue" Journalismus gäbe den Themen "neue Formate". Zudem würden Journalisten selbst zu Marken, die zu bestimmten Themen veröffentlichen und schreiben.

Wie wir sehen, die Medienthemen der re:publica 2015 waren facettenreich und kamen im gefüllten Saal der Stage 6 der STATION-Berlin gut bei den Teilnehmern an. Dies lag unter anderem auch an der engen Kooperation mit der mabb und MEDIA CONVENTION Berlin, die das Programm durch unterschiedlichste Schwerpunkte von Bewegtbild, Video on Demand, der Zukunft des Fernsehens, bin hin zu der Rolle des (ehemaligen) Rezipienten erweiterten. Wir sind schon gespannt, wie sich Medienlandschaft in den nächsten 12 Monaten entwickelt und freuen uns auf die #rp16. Und, wie gesagt, die Videos von allen Sessions der MEDIA CONVENTION Berlin findet ihr auf unserer YouTube-Playliste.

Pressestimmen

"Auffällig viele Veranstaltungen der diesjährigen re:publica widmen sich diesem Netz-Phänomen der zunehmenden Medienverdrossenheit."
rbb-online.de (05.05.2015)

"Ein Highlight der re:publica war die Session »Komm, ich erklär’ Dir mal das Internet«. Von Geraldine de Bastion mit jugendlichem Elan moderiert erzählten drei Schülerinnen und Schüler einem gebannt zuhörenden Auditorium, wie sie sich im Internet bewegen."
boersenblatt.de  (09.05.2015)

"Alles Lüge. Das Internet steht in keinem guten Ruf, digitale Öffentlichkeiten gelten als Orte des Geschwätzes und des Schwindels, des Unsinns und des Betrugs. Der Journalist und Blogger Friedemann Karig blieb bei seinem Vortrag trotzdem locker."
ksta.de (05.05.2015)

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